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Durchführung des Projekts der Aktion Zwerggans

Geeignete Zuchtgruppe

Die Zwerggans-Eier, die für das Projekt verwendet werden, stammen aus Zuchtfarmen. So wird als Erstes eine Zuchtgruppe geeigneter Elterntiere zusammengestellt. Wichtigste Voraussetzung dabei ist der Nachweis der Herkunft und genetischen Reinheit der Vögel. Denn, so die strikten Vorgaben der skandinavischen Umweltbehörden und der IUCN (Weltnaturschutzunion),  es sollen für die Auswilderung von in Gefangenschaft gezüchteten Zwerggänsen nur Tiere verwendet werden, die genetisch nicht zu beanstanden sind.

Um diesen wichtigen Nachweis zu erbringen, testet man alle für die Zucht in Frage kommenden Zwergganspaare auf ihre Genetik hin. Die notwendigen Tests werden anhand von Blut- und Federproben mittels modernster genetischer Methoden (Analyse der Kern- und der mitochondrialen DNA) in spezialisierten Laboratorien durchgeführt. So soll sichergestellt werden, dass keine Mischlinge zwischen Zwerg- und Blässgans in die hoch bedrohte skandinavische Restpopulation eingeführt werden. Nur wenn die getesteten Zwerggänse sich in drei unterschiedlichen genetischen Tests als eindeutig genetisch tauglich erweisen, dürfen sie zur Zucht herangezogen werden.

Einige skandinavische Wissenschaftler fordern, dass die ausgewilderten Vögel den ursprünglichen skandinavischen Zwerggänsen genetisch möglichst ähnlich sind. Da heute die fennoskandische Population jedoch extrem geschrumpft ist, ist die genetische Vielfalt stark eingeschränkt und spiegelt vermutlich nur noch einen Teil der ursprünglichen Diversität wider. Nur die Tatsache, dass regelmäßig Männchen aus den benachbarten russischen Populationen in die fennoskandische Population einwandern, verhinderte bisher eine totale genetische Vereinheitlichung der fennoskandischen Population. Aus den Erfahrungen in anderen Zuchtprojekten weiß man, dass bei sehr kleinen Ausgangspopulationen stets die Gefahr besteht, langfristig genetische Schäden durch Inzucht in die Population zu bringen. Bei der Auswahl geeigneter Zuchttiere ist es deshalb notwendig, die Balance zwischen genetischer Reinheit und der Vermeidung von Inzucht zu finden. Zur Auswilderung eignen sich deshalb alle gefangenen Zwerggänse, die sich in drei unterschiedlichen genetischen Tests nicht nur als tauglich gezeigt haben, sondern darüber hinaus genetisch den ursprünglichen skandinavischen Zwerggänsen und ihren russischen Nachbarn nahe stehen.

 

Brut


Zwergganseier im Brutschrank
Foto: Christian Moullec

Sobald die Eier Ende Mai/Anfang Juni gelegt sind, werden sie im Brutschrank künstlich ausgebrütet. Schon im Ei hören die Küken die Stimme ihrer Eltern, in diesem Fall die ihrer Zieheltern. Damit die Küken später keine Scheu vor dem Motorengeräusch des Ultraleichtflugzeugs haben, gewöhnt man sie ebenfalls bereits vor dem Schlüpfen an die Geräusche. Das heißt, man spielt mehrmals am Tag ein Tonband mit den Motorengeräuschen ab. So werden sie mit ihnen vertraut. Kurz vor dem Schlüpfen werden die Eier in transportablen Brutschränken nach Lappland gebracht.

 

Aufzucht


Zwerggans beim Brüten
Foto: Christian Moullec

Sobald die Küken geschlüpft sind, erkennen sie die Gestalt ihrer menschlichen Ersatzeltern. Durch die so genannte Prägung folgen die jungen Gänse ihren Eltern (in unserem Fall Menschen) in blindem Vertrauen. Diese Bindung festigt sich in den ersten Wochen immer stärker. Allein gelassen, geraten die Küken dagegen schnell in Panik.

Vom ersten Lebenstag an kommen die Gänse auch in den Kontakt mit dem Ultraleichtflugzeug. Sie sehen das Flugzeug, hören das Motorengeräusch und laufen bald hinter dem langsam rollenden Ultraleichtflugzeug her.

 

Flugtraining


Flugübungen mit dem Ultraleichtflugzeug
Foto: Christian Moullec

Im späteren Brutgebiet in Lappland lernen die jungen Gänse, angeführt vom UL als "Gänsemutter" fliegen. Während der zahlreichen Flüge trainieren die Gänse ihre Muskulatur für den weiten Flug in das Winterquartier. Außerdem prägen sie sich die Landschaft ein. Dieser Prozess ist sehr wichtig, weil sie zukünftig in dieses Gebiet zurückkehren und hier ihre eigenen Jungen großziehen werden. (Junge Gänse betrachten die Gegend, in der sie fliegen lernen, als zukünftige Brutheimat.)

 

Auswilderung


Auf dem Zug nach Süden
Foto: Christian Moullec

Im Spätsommer heißt es dann: Aufbruch zum Flug nach Süden. Angeführt von Ultraleichtflugzeugen fliegen die jungen Zwerggänse von Schwedisch-Lappland aus an der schwedischen und dänischen Küste entlang über Fehmarn in ein Schutzgebiet am Niederrhein.

Die Reise ist je nach Startgebiet rund 3500 bis 4000 Kilometer lang und verlangt sowohl den menschlichen Begleitern (Piloten, Gänsebetreuer) als auch den jungen Gänsen einiges an Ausdauer, Kondition und Koordination ab. Wenn alles gut klappt, trifft die gemischte Gruppe aus Menschen, Flugzeugen und Gänsen nach etwa sechs Wochen auf der Bislicher Insel bei Xanten am Niederrhein ein.

Dort angekommen, wird der Kontakt der Zwerggänse zu den menschlichen Betreuern nach und nach reduziert. Dies ist problemlos möglich, da sich die Jungvögel von Tag zu Tag besser in ihrem neuen Winterquartier eingewöhnen. Hinzu kommt, dass auch allmählich große Scharen von Blässgänsen eintreffen, denen sich die jungen Zwerggänse mehr und mehr anschließen. Sie integrieren sich bald in die Schwärme und fliegen mit den Blässgänsen zu Futter- und Übernachtungsplätzen.

Zwischen Anfang und Mitte Mai starten die Zwerggänse dann wieder gen Nordosten, um in ihr zukünftiges Brutgebiet in Lappland zurückzukehren, diesmal allerdings ohne die Begleitung von Menschen.

Ihre ersten eigenen Eier legen die jungen Zwerggänse erst in ihrem dritten Lebensjahr, nachdem sie im zweiten Jahr einen Partner gefunden haben. Eine erfolgreiche Aufzucht eigener Gössel gelingt allerdings häufig erst im vierten Lebensjahr. In den ersten Jahren pendeln die jungen Zwerggänse also als Nicht-Brüter zwischen ihrem Sommerquartier und dem Überwinterungsgebiet. Der Zugweg umfasst etwa 3500 bis 4000 km und der Zug dauert normalerweise (ohne Begleitung durch ein Ultraleichtflugzeug) ca. zwei Monate.

 



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